Freitag, 13. Dezember 2013

Die sieben Todsünden der Konversation

In meinem Freundeskreis macht ein Podcast die Runde, man hört ihn beim Joggen und im Zug und bei Schlaflosigkeit. Er ist grossartig, und ich gebe den Tipp gern weiter: „This American Life“, eine wöchentliche, ca. 1-stündige Radiosendung, die jeweils einem Überthema gewidmet ist und dieses mit mehreren Beiträgen beleuchtet. Eine meiner Lieblingsfolgen war jene zu den Superpowers; darin taucht die nur auf den ersten Blick banale Frage auf, welche Superkraft man lieber hätte: Fliegen können? Oder unsichtbar sein? - Fliegen gilt als heldenhaft und ist die sozial erwünschtere Antwort, Männer wählen sie meist ohne zu zögern. Die Unsichtbarkeit ist die vermeintliche Superkraft der Feiglinge – oder vielmehr der Schüchternen, der Aussenseiter und Unterdrückten. Super Smalltalk-Thema.

Gerade erst habe ich „The Seven Things You're Not Supposed to Talk About“ gehört. Die Sendung handelt von den strengen Konversationsregeln der Mutter einer der Redaktorinnen. Maria Matthiessen hält sich an eine Liste von Themen, über die man nicht sprechen sollte, weil sie einfach langweilig sind. Sie hatte die Regeln einst von der Mutter einer französischen Freundin übernommen und sie selbst um zwei Punkte erweitert.

Sieben Gesprächsthemen, mit denen man niemanden belästigen sollte:
  1. Dein Schlaf. Es interessiert keinen Menschen, ob du schlecht geschlafen hast. Punkt.
  2. Deine Periode. Kümmert niemanden.
  3. Deine Gesundheit. Niemand interessiert sich für die Beschwerden anderer Menschen. (Die schlimme Erkrankung eines nahen Freundes ist eine Ausnahme. Es geht mehr um die üblichen Bresten und Gebrechen, Erkältungen, Allergien, Fussschmerzen.)
  4. Deine nächtlichen Träume. Die langweiligste Fiktion der Welt.
  5. Geld. Geld ist eine Ausnahme: Man sollte dieses Thema nicht meiden, weil es langweilig ist, sondern weil es vulgär ist.
  6. Diätregimes. Nicht nur Gewichtsabnahme-Pläne, jegliche Restriktionen beim Essen sind einfach uninteressant – glutenfrei, vegan, laktosefrei, schnädädäh.
  7. Route Talk, sprich: Was einem im Auto auf dem Weg irgendwohin widerfahren ist, wo man durchgefahren ist und wo man sich verirrt hat.
Die Radiomacher versuchten die Dame in der Sendung davon zu überzeugen, dass es durchaus interessante Storys zu diesen Themen zu berichten gebe. Sie stöberten tatsächlich bemerkenswerte Geschichten auf. Sie wollten damit beweisen, dass die Regel nicht so apodiktisch angewendet werden dürfe. Nun, es gelang ihnen... nicht.

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