Donnerstag, 25. November 2010

Glück geseint!

Habt ihr den neuen Bischof gelesen? Er war scheints in einem Medien-Seminar. Dort lernte er wohl so poppige Formulierungen wie "Die Kirche ist ein Global Player" oder "Wir haben eine Message zu verkünden, und das ist die Message von Jesus Christus." Yeah! So klingt Theologie.02!

Bei mir landet der damit nicht. Weil ich bevorzuge schöne alte Wörter. Mein Grosi und ihre Schwestern geben sich etwa gegenseitig ein "Ärfeli", wenn sie sich sehen. Das heisst bei ihnen so was wie: eine herzliche Umarmung. So ein hübsches Wort! Das hab ich in mein Wörter-Museum aufgenommen. Ich mag auch "Vagant" oder "Längizity" oder "Gspäänli". Oder so lautmalerische Verben wie "gramüsele" oder "tschudere" oder "gingge" oder "tschädere". Ich mag "härze" und "plagiere" als Tätigkeiten, oder das harmlose "buebig" als Adjektiv. Erst neulich hab ich gelernt, was das "Vogulisi" eigentlich für eine ist! Huiuiui!

Mit mir an der Front muss sich kein Sprachforscher je Sorgen machen, das Berndeutsch sterbe aus. Überhaupt mit meiner Generation! Weil meine Generation ist ja wie erwähnt wahnsinnig rückwärtsgewandt. Sitzt auf alten Möbeln, hört alte Platten, macht nach alt aussehende Fotos, trägt alte Kleider, yeah, weil retro, das ist noch echt. Und genauso freuen wir uns sehr an alten Wörtern. Wir sind super Konservatoren.

Eine entfernte Bekannte (d.h. Facebook-Freundin) von mir hat gerade einen Aufruf zur Rettung der Präposition gestartet. Weil, ihr kennt das: "Ich bin ersch Bushaltestell!" "Bisch du Mac?" Ich kann mich ja auch an diesen Auswüchsen der Sprache laben. Sehr geschmunzelt habe ich neulich im Tram, als ein Mädchen zu einem anderen sagte: "Ja, da wirdi o immer huere hässlech." (Sie sagte auch: "Im Breitsch wohne im Fau nume Buure." Hihi.) - Absolut kein Grund zur Beunruhigung. Das sind im Wortsinn Randphänomene, die sich nicht durchsetzen werden.

Nun, und wie halten wir es mit der Hochsprache? Am liebsten ist mir ja jenes Deutsch, das viele Leute bemühen, wenn sie mit Ausländern reden. Sie glauben, man verstehe sie besser, wenn sie genauso falsch reden wie ihre Gesprächspartner, die es hingegen nicht besser wissen und so natürlich auch nicht lernen, dass man Verben z.B. konjugieren könnte ("Du so machen und das dort rüberstellen!"). Schön auch der Moment, als im Kleiderladen die Chefin ihre asiatische Angestellte mit den Worten verabschiedete: "Ciao Fresh, wir schauen dann morn, ob du ender kannst nach Hause." Was dann wieder ein Argument für mehr Hochdeutsch an den Schulen wäre. Von mir aus kann man gut schon im Kindergarten damit anfangen, man sollte ausnutzen, dass es kleine Kinder lieben, Hochdeutsch zu sprechen. Ich damals auch. Wir spielten Nachmittage lang in jener Sprache, die wir uns als Hochdeutsch vorstellten. Es war in unseren Ohren die Sprache der Erwachsenen. "Glück geseint!"

Aber natürlich gibts auch immer genügend Anlass, für Frühenglisch zu plädieren. Mich persönlich streifte der Gedanke kürzlich in Interlaken, als ich am Bahnhof auf einem Plakat las: "Fuck me, i'm a celabertie!!"

Yeah. Das ist öppen mal eine Message!

Kommentare:

  1. Herrlich seiender Text. Tschöis!

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  2. üüüh das heimelet...

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  3. Der Feierabendpsychologe27. November 2010 um 15:56

    Gömer mau zäme ganes Chacheli Gaffe nä?

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  4. Sehr schön! Mein Favorit, passend zur Säsong: täbärä.

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