Donnerstag, 19. März 2009

Streetstyle



Kinder, die von Ihren Eltern zu wenig geliebt werden, entwickeln schwere Traumata, die sich darin äussern, dass die Betroffenen im Erwachsenenalter mit witzigen T-Shirts, Sonnenbrillen und Perücken in den Ausgang gehen.

Sonntag, 15. März 2009

Phantomschmerz

Es ist seltsam, welch innige Gefühle man zu Gegenständen entwickeln kann. Ich verdammter Materialist. Kann Zeug so gern kriegen. Und, wenn es nicht mehr da ist, richtig vermissen. Schmerzlich, im Wortsinn.

Vor etwa fünf Jahren wurde mir mein wunderschönes (da! schon wieder!) rotes Rennvelo gestohlen. Es war mein erstes und extrem unpraktisch für in der Stadt, weil kein Gepäckträger, kein Ständer, kein Schutzblech, kein Licht, Tramschienen. Aber man ist wahnsinnig schnell damit. Und sexy. Jedenfalls kam es weg. Was nicht so spez ist, das passierte mir seither wieder zweimal. Aber nie tats so weh wie beim ersten Mal.

Einige Tage nach dem Verlust war ich für die Diebstahlsanzeige in diesem für einen Polizeiposten viel zu schönen Haus am Waisenhausplatz, wo die Beamten untereinander billige Witze reissen und sich merklich ein bisschen freuen, wenn ein junges Frollein vorbeikommt. Im Büro füllt ein Polizist, den der Bürodienst ankackt, ein Formular aus, mit Einfingersystem, es dauert, und man hat Zeit, um die Bilder an der Wand zu studieren. Die Welt von oben. So sehen also die Bilder aus, die sich Polizisten an die Wand hängen.

Am Abend desselben Tages ging ich trinken. Den Schmerz ertränken (das ist gelogen, aber eine glaubhafte Ausrede). In der Reithalle (wo ich weder vergewaltigt noch ausgeraubt noch zusammengeschlagen wurde, aber das war reines Glück, weil Schandfleck! Aiaiai!). Um 3 Uhr morgens raus, unter der Brücke durch, dort hats hässliche Grafitti von diesem untalentierten, hyperaktivistischen "Yours" und es riecht nach Bisi, wäh, und trotz allem hielt ich inne: Da stand es! Mein Velo, mein allerliebstes, schönstes, mit den Leuchtpedalen!

Ich war fassungslos. Die Ohnmacht war schrecklich. Das Velo war abgeschlossen und sogar an einem Pfosten festgemacht. Mitnehmen ging nicht. Um drei Uhr morgens die Polizei rufen ging nicht. Um drei Uhr morgens eine Gartenschere holen und ein Velo knacken vor dem autonomen Kulturzentrum Berns ging nicht.

Also heim, schlafen, aufwachen, aua, schnell zur Reithalle. Das Velo war weg.

Das ist jetzt fünf Jahre her. Aber noch immer schaue ich bei jedem roten Rennvelo, das ich irgendwo sehe, ob es womöglich Leuchtpedale hat. Vorbeifahrende Fahrradfahrer blitze ich böse an. Jeder könnte es gewesen sein. Noch wochenlang schleppte ich im Handtäschli ein Schloss mit mir herum. Sollte ich das Velo noch einmal irgendwo sehen, wäre ich gerüstet, und würds eben gleich nochmal abschliessen. Ätschbätsch.

Ich sah es nie mehr wieder. Der Phantomschmerz blieb.

(Das klingt jetzt wie so ein TeleBärn-Beitrags-Schluss: "... Aber d Angscht, die blibt. Für TeleBärn us Oberbottige: Caramel Landsturm." Naja. Wenn jemand einen besseren Schluss weiss, kann er ihn ja dem Roten Kreuz spenden.)

Coiffeurkunst


Das Motto "Au ist trendy!" wurde in diesem Schaufenster wunderbar treffend umgesetzt.

Freitag, 13. März 2009

Tschesä, Bonsoir

Gestern war inoffizielle Eröffnung des "Bonsoir", dieses neuen Clubs, nach dem tout Berne entre 20 et 35 so lange gedürstet hat. Die Leute sahen ein wenig so aus, als wäre zuvor eine Trend-(oder H&M-Divided)-Bombe explodiert: Hornbrillen, Holzfällerhemden, individuell bedruckte T-Shirts sowie enge Hösli für die Herren, und - hallo 80er-Jahre: Diese engen Rüebli-Hosen, die bis über den Bauchnabel reichen und diesen schrecklichen Birnenarsch machen für die moderne Dame. (Immer wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer werden, haut die Mode noch eins drauf.)

Wäre eine richtige Bombe explodiert - es stünde heute schlecht um den Schweizer Grafiker- und Mac-Arbeiter-Nachwuchs. Und sobald man jemanden fragte, wie ihm der Club denn gefalle, kam dieses: "Ach, ich bin ja nicht zum ersten Mal hier, ich habe beim Umbau dieses und jenes gemacht." Soll heissen: Es ist im Fall auch ein wenig MEIN Club, ich bin Teil davon, im Fall.

Also fragen wir halt Caramel: "Und, wie ist der Club?"
Hübsch ist der Club!
Es hat Leuchtkästen und so schöne altmodische Plakate und einen Kiosk, wo es Kinderüberraschungseier gibt und Deo und Kaugummi, warum hat das nicht schon längst jemand gemacht? Man sagte mir zudem, die Veranstalter hätten die Crème de la crème der Berner Barkeeper-Szene abgeworben (ich wusste nicht mal, dass es die gibt). Die DJs befanden, das DJ-Pult sei perfekt, weil oben Monitore und perfekte Höhe. Ich sah eine Dezibel-Anzeige und wurde informiert, dass die DJs Abzug bei der Gage kriegen, wenn sie über 100 gehen. Und wenns eine Busse gäbe, müssten die DJs die bezahlen (ob das stimmt?) Und die Bässe wummerten so, dass, wenn man ein Glas drauf stellt, dieses sich von einem Ende zum anderen bewegt.

Dann hat der Club ja dieses Friend-System, das einem das Gefühl gibt, man sei im Fall uhh wichtig, und das ist hübsch. Ich bin ein Topfriend und bilde mir wirklich ein wenig etwas drauf ein - Zack, Falle zugeschnappt! Dabei gibts wahrscheinlich auch noch Superfriends und Superduperfriends und Superdupertrooperfriends.

Aber Topfriend gibt auch schon hübsch was her zum angeben, man kann damit auf Rechnung saufen. Leider nur bis zum Ende des Abends. Ich fänds schöner, wenn man die Rechnung Ende Monat nach Hause geschickt kriegen würde. Dann könnte ich zum Chef gehen und sagen: Chef, ich brauche einen Vorschuss, sonst kann ich meine Alkoholrechnung nicht bezahlen. Das wäre dann mal ein Grund für eine Betreibung. Statt immer nur Nutten und Koks.

Aber eigentlich gibts nix zu meckern, Bonsoir ist super, endlich, juhui!, frohlocke ich in meinem Kopf, und bin so froh und fröhlich, dass mir nicht einmal ein ironischer Schluss einfällt. Also tschesä, Bonsoir.

Sonntag, 8. März 2009

Caramel holt den Schweizer Filmpreis...

...vom Tisch, als sich die hübsche Schauspielerin aus der Romandie für eine Zigi verdrückt, macht ein Foto, stellt ihn wieder hin und fühlt sich merkwürdigerweise fast so, als hätte sie sich damit an der arroganten Trulla gerächt.

Donnerstag, 5. März 2009

Sags doch einfach schnell per SMS!

Die beliebteste Rubrik in Gratiszeitungen ist das SMS-Schatzchäschtli, weil da muss man ja nicht so viel lesen und vielleicht sucht ja tatsächlich jemand mal MICH. Die Liebeserklärungen von Schoggimüsli und Schatz und Co. sind auch sooo herzig! Ich warte schon lange darauf, dass mir im Schatzchäschtli ein Heiratsantrag gemacht wird, weil das finde ich irgendwie noch fast romantischer als in der Postfinance Arena - einfach nur WOW.

Heute stand da was in der Rubrik "Sags doch einfach schnell per SMS" in der "Ich-wäre-so-gern-wie-20-Minuten"-Gratiszeitung .ch, das gab mir zu denken. Und zwar dachte ich folgendes: Haben Sie jetzt auch noch den Redaktor eingespart, der früher den Leuten, die sich in dieser Rubrik äussern, den letzten Hauch Würde erhalten hat? Anscheinend schon.

ICH M SAGE DAS ES SAT H
ALLEIN ZU SEIN ABER ES IST
BESER SO WEIL ICH HA IV UND
MACHE SPORT UND ZWAR
RÜCKENTUHRNEN UND
RÜCKENJOGA UND FITNES U
SCHWIMEN SPATZIREN
WANDERN U WENIG
AUSGANG U HA GLICH KEINE
KOLLEG U KOLLEGIN UND =
WEN ICH EINE KOLLEGIN HEND
DIE EN FRÜND U KOLLEG AUCH
DARUM BIN ICH ALLEIN GRUS
MANN

(Den Informatiker hat .ch glaubs auch eingespart. Das .pdf des Blattes lässt sich emel nicht downloaden, oder gehts jetzt wieder? Dann wärs auf Seite 13.)

Montag, 2. März 2009

Konzerthallen, Flugzeuge, Cornflakes

Eigentlich mag ich ja keine doofen Vergleiche. Aber ab und zu ist einer fällig. Also Vorsicht.

Konzerthallen sind wie Flugzeuge. Man verbringt darin Zeit - und hat sogar Körperkontakt - mit Menschen, die man nicht einmal aus einem brennenden Haus retten würde.

Z.B. mit Paaren. Paare an Konzerten, das geht so: Frau vorne, Mann hinten, die Regenjacke um die Hüfte gebunden, die Arme um Fraus Schultern geschlungen. In stehender Löffelchenstellung wird nun synchron neben dem Rhythmus vorbei geschunkelt.

Das sind die gleichen Leute, die zum Dessert Fruchtsalat mitbringen, den Spiesser unter dem Nachtisch, dachte ich mir noch schnell. Länger habe ich mir das dann aber auch nicht mehr angesehen, denn auf der Bühne, da wars auch lustig. Nichts ist schöner als eine Hand voll Briten, die eigentlich ja so wahnsinnig viel zu gut dafür sind, um auf einer popeligen Schweizer Bühne zu stehen (pfff!), und deshalb ihren Platz in der Musikgeschichte noch rasch mit einem Beatles-Cover unzweifelhaft markieren.

So freute ich mich ein wenig. Dann war das Konzert aus. Die Paare schlenderten selig grinsend ob soviel Kultur und Coolness zum Parkhaus. Ich ritt auf einem Cornflake sitzend nachhause. Und hoffte, dass ich an keinem brennenden Haus vorbeikommen würde.

(PS:

Doofe Paarung.)