Montag, 5. Januar 2009

Schlechte Vorsätze

Weihnachtsfeiertage sind ein wenig wie Fussball-EM mit Geschenken. Man hat jeden Abend einen Grund, sich zu betrinken, danach Geschenkpapier vom Bett räumen und schlafen, bis es schon fast wieder dunkel wird, essen, dann wieder trinken. Ja, ein Fest der Liebe.

Aber jede EM hat ein Ende, jedes Skilager einen letzten Kissentanzabend, und danach ist man auch ein wenig froh, wieder zurückzukehren ins normale Leben, es war auch dringend nötig, der Briefkasten seit Tagen nicht geleert, die Zeitung ungelesen, alles aufs neue Jahr verschoben: Sport Ordnung Arbeit Uni Nüchtern.

Super Zeitpunkt für ein gesundes Leben, super Zeitpunkt für Alkoholpause, denke ich am 1. Januar.

Dann kommt diese Party. Zahlreiche gute Menschen an einem schönen Ort mit netter Musik, billigen, starken Drinks und einer Lampe, die so tief hängt, dass sich alle den Kopf stossen. Es liegt Love in the Air; rumknutschen, tanzen, rauchen, trinken, Zeug ausleeren, ins Ohr brüllen. Und alles nochmal von vorn.

Alles ist gut. Und es ist womöglich die beste Party des Jahres, das gerade erst begonnen hat.

Und ich stehe da, so wahnsinnig nüchtern, und frage mich ein paar Dinge. Z.B., was 2,3 Millionen Menschen dazu bringen mag, sich Videos anzuschauen, auf welchen kleine tapsige Hundebabys zu freundlicher Hintergrundmusik Hundebabykram machen. Oder auch, warum manche Dinge einfach immer zur falschen Zeit kommen.

Zum Beispiel Alkoholpausen.

Samstag, 3. Januar 2009

Generation U

Achtung. Jetzt kommt zwischendurch mal etwas anderes. Zwischen all dem Blabla.

Jetzt kommen wir.

Wir sind die Unbesiegbaren. Wir sind intelligent. Wir haben einen Beruf und genug Geld. Wir kaufen die hippen Kleider. Wir hören die hippe Musik. Wir sind an den richtigen Anlässen. Wir sind Single und leben uns aus. Aber in einem gesunden Mass. Oder wir sind in einer romantischen Beziehung, in der einfach alles stimmt, und wir haben Sex. Wir sind Trendsetter in unserer Szene. Wir trinken viel, aber wir machen auch Yoga und/oder Sport. Wir sind ausgeglichen und manchmal depressiv. Wir sind interessant. Wir sind erwachsen, und wir sind im passenden Moment Kinder. Wir kennen die richtigen Leute und sagen die richtigen Sätze zur richtigen Zeit. Wir haben die richtigen Bilder aufgehängt und die witzigen Dings in unserer Wohnung rumstehen, vom Flohmarkt. Aber wir kaufen auch die Kunst von Bekannten.

Wir sind Geniesser, die manchmal viel essen und manchmal nur rauchen. Wir sind gestehende Hedonisten und Konsumenten, aber wir sind auch kreativ. Wir sind Materialisten. Und wir sind Romantiker. Wir haben tolle Liebesbeziehungen und fahren mit dem Auto in die Ferien und hören dabei Musik, die hier noch niemand kennt. Aber in London. Wir haben Freunde dort. Und in interessanten Städten wie Talinn oder New York.

Wir sind sauber, aber nicht übertrieben. Krisen und Kriege sind für uns Gesprächsthema, nicht Anlass zur Sorge. Wir spenden manchmal. Unser Hobby ist fotografieren. Wir tragen übergrosse Hornbrillen.

(Wir stehen lächelnd zu unseren Schwächen).

Wir sind Frauen und stark und verletzlich. Wir sind Männer und cool und witzig. Wir gehen an die richtigen Sportanlässe, und wir jubeln für den richtigen Verein. Wir sind im richtigen Moment still, und im richtigen Moment sehr laut. Wir stehen zu unseren Süchten. Ab und zu nehmen wir Drogen. Aber wir sind ja noch jung. Wir haben wenige, aber ausgewählte Freunde. Wir müssen uns nicht mit jedem gut verstehen. Wir wohnen in Wohnungen mit Dachterrasse im richtigen Quartier. Wir haben 50er-Jahre-Kram tätowiert.

Später werden wir unsere grosse Liebe heiraten und für immer mit ihr zusammen bleiben. Wir werden Kinder haben mit originellen Namen, die eine Bedeutung haben. Wir werden einen erfüllenden Job haben und immer noch toll aussehen und viel verdienen. Wir werden trotzdem noch rockenroll sein. Wir werden dünn resp. muskulös sein und dabei unbeschwert. Wir werden sexuelle Abenteuer erleben, aber das wird unsere Beziehung nicht zerstören. Wir werden ein Haus besitzen an einem schönen wilden Ort und dort italienische Gerichte kochen (bio), nicht nur wenn uns unsere Eltern besuchen, die uns so wichtig sind. Dann trinken wir ein gutes Glas Wein.

Wir sind erfolgreich. Wir schaffen alles.

Wir sind die Unbesiegbaren.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Happy New Yeah!

Dienstag, 30. Dezember 2008

Grossu Irrtum

In Caramells Lexikon der populären Irrtümer steht unter B folgender Eintrag: Berge. Die verbreitete und politisch korrekte Trendmeinung lautet: In den Bergen ist es schön.

Fehler. In den Bergen ist es wüst, wie ein Besuch im Wallis (jetzt leider nur noch eine Stunde entfernt. Danke Cisalpino, der du uns die Reise von Zeit zu Zeit noch tapfer etwas herauszögerst, Danke) zeigt. Die Steilwände sind erdrückend, alles ist eine Variation der Würgfarben grau/braun/anthrazit, die Vegetation wird dominiert von diesen skelettösen Nadelbäumen, darunter stehen Industrie- und Gewerberuinen mit Dorfgraffitis dran, das Primarschulhaus heisst Sepp Blatter und die Hotels Killerhof oder Bergsunnu.

All dieses Elend mündet in einer ohrenkrebserregenden Sprache, welche Sätze als korrekt taxiert, die wörtlich übersetzt etwa lauten: „Ich bin krank gekommen.“ Eine Sprache, die zudem vor Us nur so strotzt, weil das U die Buchstaben gewordene Berglandschaft ist. Dass die Walliser, die inzwischen zur Mehrheit in Bern wohnen, total partymässig drauf sind und im Fall voll gmögig, echt!, wie ein weiteres Gerücht lautet, ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Nach einer gelungenen Flucht hat man allen Grund zu feiern.

Wer mit diesen Ausführungen gar nicht einverstanden ist, darf sich nun hoch offiziell schadenfreuen: Nach ihrem Aufenthalt in den Bergen ist Caramell prompt krank gekommen. Uuu, uuu, uuu.

Donnerstag, 25. Dezember 2008

More Modern Art (MoMA)











Mittwoch, 24. Dezember 2008

Backen ist das neue Schwarz

Dekorieren ist das neue Yoga
Yeah ist das neue Geil

Revolution!

Jump!

Crazy!
...gly noch mehr!

Freitag, 19. Dezember 2008

Fröllein Ibrahim und die Blumen im Schnee

Wenn es allen schlecht geht, haben sie Hochkonjunktur. Ihre Tieftöne erschallen durch die halbe Altstadt. Die Menschen, von der Finanzkrise gegeldbeutelt, bleiben vor ihnen ergriffen stehen und stellen ihre Migros-Papiersäcke in den Schneematsch.

Die Rede ist von Panflötenbands.

Seit der Baldachin auf dem Bahnofplatz steht, hat sich deren Bühne massiv (was für ein doofes Wort!) verprominentisiert. Jetzt stehen die vier bis fünf Lateinamerikaner nämlich am Schärmen und performen ihre Regentanzmusik mit Verstärker und crazy Akustik. Und niemand kommt daran vorbei. Ob man will (ich) oder nicht (fast alle anderen).

Die Fränzis und Vrenis aus Langnau und Langenthal beispielsweise verpassen ob so viel Kultur sogar manchmal den Zug. Weil: „Weisst du, die machen so echte südamerikanische Musik! Die sind so authentisch! Da zählen eben die Traditionen noch etwas, in Peru und Chile! Und das zeigt ja auch, ich bin so offen für andere Kulturen! Reisen ist mein Hobby! Und mein Lieblingsbuch ist im Fall ,Fröllein Ibrahim und die Blumen im Schnee'!“

Jetzt weiss ich endlich, wovon immer die Rede war, in den Medien und im Parlament und bei Southpark und einfach überall. Als sie alle von dieser gefährlichen Dings sprachen.

Dieser Pan-demie.